Als ich noch ein Kind war, habe ich Entscheidungen so verstanden, dass sie einmal zu treffen sind. Anschließend hat man mit den Konsequenzen zu leben. Und genauso war es bei mir. Durch Entscheidungen, die ich getroffen hatte, hatte ich tolle Momente erleben dürfen – aber eben auch weniger tolle Momente. Und die weniger tollen Momente musste ich – zumindest war das meine Einstellung dazu – ebenfalls durchziehen. Ein Abbruch (oder eine Neu-Entscheidung) wäre einem Versagen gleich gekommen.

Daraus hatte ich unterbewusst etwas gelernt. Nämlich keine Entscheidungen mehr zu treffen. Denn dann konnte auch nichts schief gehen. Klingt paradox – funktionierte in der Situation allerdings wunderbar. So lange, bis ich meine Frau kennen lernen durfte. Sie machte meine Entscheidungsunfreudigkeit wahnsinnig. „Auf was hast Du Lust heute Abend?“ „Ich weiß nicht.“ „Was möchtest Du essen?“ „Such Du was aus“ „Wo möchtest Du sitzen?“ „Egal.“ Aus heutiger Sicht kann ich sie sehr gut verstehen.

Aus damaliger Sicht hatte ich mir einfach eine Strategie zu Recht gelegt, mit der ich mich vor unangenehmen Konsequenzen schützen konnte. Denn schließlich war ich für nichts verantwortlich. Ich musste nichts durchziehen, was ich nicht wollte. Ich hatte ja nichts entschieden. Zwar musste ich mit den Konsequenzen, die die dadurch kamen, dass für mich entschieden wurde, leben, aber aus meiner damaligen Sicht konnte ich ja nichts dafür. Es lag ja nicht an mir, sondern am System, am Staat – an anderen.

Zudem, dass ich meine Frau immer wieder zur Weißglut trieb, hatte meine Fähigkeit, nichts zu entscheiden, eine weitere Auswirkung. Mein Leben wurde für mich entschieden. Ich ließ andere Menschen bzw. die Zeit Entscheidungen für mich treffen. Ich lebte mein Leben nur noch passiv. Und passiv. Das Problem am passiven Leben ist jedoch, dass Emotionen kaum stattfinden. Denn Emotionen existieren nun mal im Hier und Jetzt.

Wir machten uns also damals gemeinsam auf den Weg. Ganz ohne all die tools, die wir heute kennen. Und ich kann aus eigener Sicht sagen, dass der Weg nicht gerade leicht war. Vor allem weil wir beide ihn komplett alleine und ohne Unterstützung von außen gegangen sind. Heute würde das deutlich schneller und leichter gehen. Ich kann aber auch sagen, dass es sich lohnt. Die Zeit, die vielen Gespräche, die Energie… all das war nötig und wichtig, um mich aus meiner konditionierten Anpassung zurück zu mir selbst zu bringen.

Aus diesem Grund kann ich Dich nur ermutigen aktive Entscheidungen zu treffen! Dein Leben selbst zu gestalten. Die getroffenen Entscheidungen immer wieder zu reflektieren. Und wenn sie nicht mehr für Dich oder für Euch passen, dann triff neue Entscheidungen. Meistens sehen die möglichen Konsequenzen in unserer Vorstellung viel schlimmer aus, als sie tatsächlich sind. Ob privat oder bei der Arbeit. Du hast IMMER die Wahl!

Der letzte, allerdings für mich wichtigste Punkt ist, dass sich diese oben beschriebenen bisherigen Entscheidungen im Kopf abgespielt haben. Der Kopf kann Logik. Der Kopf kann abschätzen. Aber wirklich wichtige Themen sollten mit dem Bauch und Herz entschieden werden. Als steht damit Dein Weg fest: raus aus dem Kopf, rein in die Intuition! Zurück zu Dir!

 

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