Dein Chef möchte wieder mal, dass Du länger bleibst und Überstunden machst. Es passt überhaupt nicht zu deiner Zeitplanung, aber Du bleibst! Du würdest so gerne einfach mal „NEIN“ dazu sagen, du bringst es aber nicht über die Lippen? Du fühlst Dich unwohl, weil Du Dir nun überlegen musst, wie Du das wieder deiner Familie, Partner oder deinem nachfolgenden Termin erklären musst. Wirklich dazu stehen kannst Du nicht, weil Du ja innerlich gar nicht bleiben möchtest. Du fühlst schon lange, dass Diese innere Zerrissenheit kein Dauerzustand sein kann.

Du möchtest in einer Gruppe auch von Deinen Ideen erzählen, aber irgendwie scheint Dich keiner wirklich zu hören. Du fühlst Dich, als wärst Du gar nicht anwesend; wie in einem vernebelten Raum, wo alles ganz unwirklich erscheint. Du fragst Dich dann, was Du hier eigentlich machst – hier auf dieser Welt.

Du bist in einer Diskussion, aber die, die mit Nachdruck Ihre Meinung durchbringen, sind die Anderen. Von Deinen Argumenten bist Du überzeugt und was Du sagst, fühlt sich für Dich stimmig an. Nachdem Du des Öfteren in der Diskussion unterbrochen wurdest, nimmst Du all Deinen Mut zusammen und startest noch einen letzten Versuch Dein Argument vorzubringen. Es gelingt. Dein Gegenüber richtet seinen Oberkörper auf, setzt eine ernste Miene auf und nach einer kurzen, aber intensiven Pause (die sich für Dich alles andere als angenehm anfühlt) erklärt er (sehr knapp) mit Nachdruck und tiefer Stimme, dass DU FALSCH LIEGST. Was für ein scheiß Gefühl…

Was sind Deine Gedanken dazu? Das ist einfach so und da kann man nichts machen? Oder hast Du Dir schon überlegt, wie Du das ändern könntest? Oder vielleicht sogar an was das liegen könnte? Es lassen sich Dinge oft einfacher verändern, wenn wir ihre Ursache kennen. 

Hier kommt wieder die Anpassung ins Spiel. Vielleicht hast Du bereits unsere beiden Blogartikel Woher kommt unsere Anpassung? und Was macht unsere Anpassung aus der Kindheit mit uns? gelesen. Die Anpassung bildet die Grundlage für diese Machtverhältnisse.

Die Anpassung sorgt für die ungemütlichen Gefühle in Dir und lässt Dich nicht frei entscheiden. Sie lähmt in solchen Situationen Deine kognitiven Fähigkeiten und du fühlst Dich in der Tat „wie gelähmt“. Das Gefühl „nicht gut genug zu sein“ hat Dich so überrollt, dass dein Gehirn einen totalen Black-Out erlitten hat. Du würdest gerne deine Meinung sagen, dich entrüsten, Lösungen finden, etc. aber, nix Sinnvolles fällt Dir ein.

Dir über diese Anpassung in Dir bewusst zu werden ist Dein wichtigster Schritt:

  1. Gefühle können nicht von Anderen auf Dich übertragen werden. Sie werden „ausgelöst“ oder „getriggert“.
  2. Die Gefühle sind also in Dir begründet und Du projizierst sie auf Dein Gegenüber, wertest ihn wahrscheinlich unterbewusst ab und die Verbindung zueinander ist abgebrochen. Durch die Abwertung wird eine erneute Verbindung vorerst schwierig sein.
  3. Das Verhalten Deines Gegenübers hat also nichts mit Dir als Person zu tun. Egal wie jemand reagiert, Du bist immer genau richtig. Der Andere übrigens auch. Vielleicht aber hat Dein Verhalten jemandem nicht zugesagt. Ja, ok. Du bist halt keine Schokolade und kannst es nicht jedem Recht machen.
  4. Dein Verhalten könnte auch dein Gegenüber „getriggert“ haben und so für eine unschöne Kommunikation gesorgt haben. Hier bist auch Du nur der Auslöser und NICHT verantwortlich für die Gefühle des Anderen. Das sind alles Altlasten aus der Erziehung.

Wenn wir nun also noch einmal solch eine Situation reflektieren, ist es eigentlich gar kein Machtverhältnis mehr. Jedes Verhalten hat seine Gründe und jeder Mensch trägt dadurch seine Wunden aus der Vergangenheit nach Außen.

Kommunizieren zwei Menschen der gleichen Farbe miteinander, kommen diese Wunden weniger zum Vorschein, da beide wissen die Bedürfnisse des Anderen zu erfüllen siehe Modell, (welche Farbe nach welchem Bedürfnis strebt). Sind Menschen unterschiedlicher Farbausprägung im Umgang miteinander, kommt es häufiger zu Konflikten, da die Bedürfnisse völlig andere sind und dies aber meist nicht wahrgenommen werden kann.

Du befindest Dich in unseren Beispielen als Person mit grüner Anpassung in Konflikt mit einer Person mit roter Farbausprägung.

Rot möchte entscheiden und damit seine Ziele voran bringen. Dabei rückt sein Gegenüber in den Hintergrund. Zudem hat ein Roter wenig Toleranz für Gefühle. Gefühle spielen schlichtweg keine Rolle und somit hat er Deine natürlich auch nicht auf dem Radar.

Du, im Gegenteil, möchtest Gesehen werden. Du möchtest nach Deiner Meinung gefragt werden, die dann auch Gewicht in der Entscheidung findet! Ach ja, harmonisch sollte die Kommunikation immer verlaufen. Das ist Dir enorm wichtig!

Nachdem Du Dir bewusst bist, dass die Anpassung für Deine Gefühle verantwortlich sind, überlege mal, wie in solchen Situationen in Deiner Kindheit umgegangen wurde. Gab es faire Diskussionen oder wurden Regeln aufgestellt? Wurde Deine Meinung gefragt und geschätzt? Wie wurde mit Deinen Gefühlen umgegangen? Wurden sie gesehen und anerkannt oder sind die Gefühle eher als Stressfaktor wahrgenommen worden und waren somit eher störend? Hier ist für Deine innere Arbeit ein guter Ansatzpunkt.

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