Mittwochabend. Du sitzt bei einer Party, bei der es um berühmte Aufbewahrungsdosen geht. Eine rhetorisch gute Verkäuferin präsentiert alles Mögliche an anscheinend praktischen Haushaltshilfen. Ein Glas Wein darf nicht fehlen. Der Abend verläuft entspannt, denn viele Deiner Freundinnen sind auch dabei. Bis zu dem Punkt, an dem die Frage in den Raum gestellt wird, was Du gerne kaufen magst. Denn eigentlich brauchst Du rein gar nichts. Eigentlich bist Du nur hier, um Deiner Freundin, der Gastgeberin, einen Gefallen zu tun. Und dann wieder dieser Moment. Du hast im Voraus mit Deinem Partner besprochen, dass Du nichts kaufst, denn ihr habt ohnehin schon so viel davon. Und doch – weißt Du ganz genau was gleich passieren wird. Alles in Dir schreit ICH WILL NICHTS KAUFEN! ICH BRAUCHE NICHTS! Und was machst Du? Du kaufst Dir den Mehrzweckschäler und die neumodisch anmutende Salatschüssel. Du weißt, dass die auch nicht wesentlich besser sind, als die, die Du eh schon daheim hast, aber einfach gar nichts kaufen sieht doch auch doof aus. Schließlich warst Du den ganzen Abend dort. Und die Verkäuferin hat sich auch so lange Zeit genommen. Was würden denn nur die Anderen denken…

Natürlich geht es mal wieder um die grüne Anpassung. Sie macht Dir ein schlechtes Gewissen und löst aus, dass Du das Gefühl bekommst etwas kaufen zu müssen – allein schon weil die anderen sonst vielleicht etwas Seltsames von Dir denken könnten. Du möchtest um jeden Preis die gute Stimmung erhalten. Die grüne Anpassung macht auch, dass Du in gewissen Situationen das Wort NEIN nicht sagen kannst. Es will einfach nicht über Deine Lippen kommen. Und dass, obwohl alles in Dir dagegen ist. Vermutlich kennst Du solche Gelegenheiten, bei denen Du JA gesagt hast, obwohl Du ganz klar NEIN wolltest. Im Nachhinein wird das gemachte oder gekaufte dann gerne noch schön geredet.  Und doch, ein ungutes Gefühl in Dir bleibt.

Später im Auto auf dem Heimweg: Du lässt Dir den lustigen Abend nochmals durch den Kopf gehen. Dir fällt wieder die Kauf-Situation ein, und dass Du mal wieder nicht so gehandelt hast, wie Du wolltest. Und plötzlich fällt es Dir ein: Du hattest mit Deinem Partner besprochen, dass Du nichts kaufst. Wie willst Du ihm das jetzt erklären? Ein Gefühl von Angst steigt in Dir auf. Deine Hände fangen leicht an zu schwitzen und Du rutschst unruhig auf dem Sitz hin und her.

Dir war beim Kauf durchaus bewusst, dass sich Dein Partner nicht gerade drüber freuen wird. Du wusstest, dass es ein Konflikt geben wird. Und Du nimmst es in Kauf, obwohl Du doch direkte Konfrontationen so sehr meiden möchtest. (Anmerkung: das ist übrigens auch eine Ausprägung der grünen Anpassung).

Bei der grünen Anpassung ist allerdings das Wort NEIN ausschlaggebend. In der direkten Frage an Dich (die Dich ein wenig an ein Verhör erinnert) musstest Du Dich – vor den anderen – dazu äußern. Du hättest NEIN sagen müssen. In der Diskussion mit deinem Partner musst Du das Wort NEIN nicht benutzen.

Aber woher kommt jetzt das alles? In unserer Kindheit wurden wir dazu erzogen, so zu werden, wie unsere Eltern sich das vorgestellt haben. Egal wie die Vorstellungen auch sein mochten, wir Kinder hatten zu funktionieren und sich einzufügen. Sätze wie „nein, ich mach das jetzt nicht“, hätten in Konsequenzen und Androhungen von Strafen geendet. Wir wurden „trainiert“ nicht NEIN zu sagen. Je “besser“ und „braver“ ein Kind erzogen wurde, desto mehr gibt es diesen Komplex nicht NEIN sagen zu können.

Wie würde eine Welt ohne diese Anpassung aussehen? Die Angst vor dem NEIN würde es nicht mehr geben. Du könntest getrost sagen, dass Du etwas nicht möchtest, ohne ein mulmiges Gefühl zu haben. Und – in Bezug auf das Beispiel oben – Du hättest einen wunderbaren runden Abend gehabt, ohne diesen schlechten Nachgeschmack.

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