Was für ein Film! Er hatte einfach alles. Emotionen, Musik und viel Farbe. In seiner Anmoderation zu der Verleihung des besten Films bei der goldenen Kamera 2017 spricht Steven Gätjen von einem „quietsch bunten Musical“. Aber ist es bei genauem Hinsehen wirklich so bunt? Auffallend ist, dass immer wieder die gleichen vier Farben (rot, gelb, grün und blau) eingesetzt werden. Haben diese Farben darin etwa einen tieferen Sinn? Ein Film, der 2017 alleine 6 Oscars abgeräumt hat, soll ein Farbmuster enthalten?

Ja! Und wenn Du Lust hast, Verhalten von Menschen in Verbindung mit den Farben in Perfektion zusehen und mitzuerleben, dann schau Dir diesen genialen Film (nochmal) an. Aber was hat das jetzt mit uns zu tun?

Kurze Erinnerung. Bei uns haben Farben (inspiriert von Social Styles) verschiedene Eigenschaften. Dabei steht Gelb für Kreativität, Spontanität und Emotionen. Blau ist dagegen die rationale (vernünftige) Seite. Grün beschreibt alles Zurückhaltende und Sich-Zurücknehmende (auch das an sich selbst Zweifelnde). Und Rot hat eher forsche, stark auftretende, zielgerichtete Eigenschaften. Das alles sind Basisfarben – praktisch die Farbe des Inneren im entspannten Zustand. Hinzu kommt noch die Anpassungsfähigkeit (alles was freiwillig geschieht) und die Anpassung (alles was unfreiwillig aufgrund bestimmter Muster gemacht wird). Schau dazu gerne nochmals in unsere Grundlagen-Übersicht.

Du glaubst, dass ein so berühmter Film unmöglich so ein Hintergrund haben kann? Na, dann darfst Du gespannt sein. Wir haben Dir ein paar Szenen zusammengestellt (und es hätte noch so viel mehr gegeben), die das sehr deutlich zeigen:

  • Mia’s (Emma Stone) Freundinnen überreden Mia zu einer Party mitzukommen

Dabei ist eine Freundin besonders fordernd. Sie trägt rot. Die eher zurückhaltende Freundin trägt grün und die Freundin, die beim Tanzen am meisten aus sich heraus geht, trägt ein gelbes Kleid. Mia entscheidet sich am Ende mitzugehen. Nicht weil sie besonders viel Lust hat, sondern weil ihre Anpassung ihr sagt, dass sie vielleicht den einen wichtigen Menschen treffen könnte. Dabei läuft das Lied „someone in the crowd“ (dt. jemand in der Menge). Ihr Kleid ist übrigens blau. Dabei hat jedes der Kleider eine eindeutige Farbe ohne viel Ablenkung.

  • Sebastian (Ryan Gosling) wird gefeuert

Sebastian spielt in einer Bar und muss sich dabei an strikte Regeln des Besitzers halten, was er zu spielen hat. Da er (zumindest zu Beginn) aufgrund seiner Anpassung „vernünftig“ ist, hält er sich daran. Er  unterdrückt (vorübergehend) seine Lust auf seine Musik. Seine blaue Anpassung kommt durch, denn er braucht diesen Job. Die Farbe seines Anzuges? Blau. In dieser Szene treffen Mia und Sebastian zum zweiten Mal aufeinander. Sie sehen sich lange an, aber ein Gefühl kommt zwischen den beiden nicht auf. Es wirkt kühl zwischen den ihnen. Sie trägt dabei ihr blaues Kleid.

  • Mia‘s erste Audition

Sie kann den Text. Abgesehen davon, ist es aber mehr abgelesen als überzeugend gespielt. Es wirkt nicht kreativ, dafür nüchtern ohne große Emotionen. Was trägt sie dabei? Eine blaue Jacke über der Bluse.

  • Die „I ran“- Szene

Mia ist auf einer Party und trifft Sebastian, der dort mit seiner Band spielt. Als sie ihn sieht, wünscht sie sich „I ran“ von A Flock Of Seagulls und geht bei dem Tanz auffallend aus sich heraus. Die Farbe ihres Kleides ist dieses Mal gelb. Genervt von der Musikauswahl (und aufgrund seiner ungewollten rot-Anpassung), sagt Sebastian Mia seine Meinung dazu sehr deutlich ins Gesicht. Dabei trägt er ein knallrotes Hemd, das im Übrigen nicht richtig in die Band passt, denn alle anderen tragen im Wesentlichen blau.

  • Die berühmte Tanzszene (a lovely night)

Sebastian bringt Mia zu ihrem Auto und vor einer traumhaften Kulisse tanzen die beiden gemeinsam. Untermalt wird die Spontanität mit Musik. Mia trägt gelb.

  • Das erste Date von Mia und Sebastian

Eigentlich wollten sie sich vor dem Kino treffen. Mia ist allerdings mit ihrem derzeitigen Freund und dessen Freunden unterwegs. Obwohl sie sich offensichtlich unwohl fühlt und lieber bei Sebastian wäre, bleibt sie eine ganze Weile mit großer Zurückhaltung (grüne Anpassung) bei ihrem Date und lässt Sebastian warten. Ihr Kleid hat die Farbe Grün.

  • City of stars

Sebastian bekommt den Vertrag in der Band und Mia bereitet sich komplett auf ihr eigenes Stück vor und lässt dabei ihrer Kreativität freien Lauf. In der Szene spielt Sebastian das Lied „City of stars“ auf der Orgel in ihrem gemeinsamen Zuhause. Auffällig in dieser Szene sind dabei die Blumen im Hintergrund, die alle (obwohl es verschiedene Arten sind) gelbe Blüten haben.

  • Mia’s Auftritt

Auch wenn der Auftritt nicht wie erhofft besucht war, bekommt sie von den wenigen Zuschauern stehenden Applaus für ihre kreative Darbietung. Und obwohl die Blumen, die später auf die Bühne geworfen werden bunt sind, sieht man in einer Szene zuvor ausschließlich gelbe Blumen in den Händen der Zuschauer.

  • I’m not good enough (dt. Ich bin nicht gut genug)

Sebastian fährt (obwohl sie eigentlich Streit miteinander haben) zu Mia’s Elternhaus und überzeugt sie, dass sie die wohl wichtigste Audition in ihrem Leben wahrnehmen muss. Dabei kommen spätestens durch den Satz „…maybe I’m not good enough“ (dt. vielleicht bin ich nicht gut genug) Mias grüne Anpassung und ihre Selbstzweifel ans Licht. Dabei trägt sie ein graues Oberteil, das in dem Mondlicht an der Stelle deutlich grün schimmert. Sebastians Überzeugungsarbeit ist (durch seine Anpassung) dabei sehr sachlich gehalten. Selbst als Mia weint, nimmt er sie nicht in den Arm. Die Farbe seines Hemdes? Blau.

  • Mia’s letzte Audition

Der Durchbruch. Sie ist voller Emotionen und kann sie nach außen transportieren. Hier trägt sie einen hellblauen Pullover. Macht keinen Sinn? Doch! Denn sie wollte eigentlich nicht hin. Sie war eigentlich auch nicht in der Stimmung dazu. Sebastian hat sie überredet. Und sie ist nur mitgegangen, weil sie die Chance vernünftigerweise (blaue Anpassung) nutzen sollte. Zu Beginn und zum Ende klingt ihr Stimme deutlich schwächer und mit vergleichsweise weniger Emotionen. Dabei sieht man sie mit Pullover. An der Stelle als sie ihre Emotionen raus bringen kann, zoomt die Kamera ran und vom blau ihrer Bluse ist beinahe nichts mehr zu erkennen. Sie hat ihre blaue Anpassung damit überwunden.

  • Das Treffen im Seb’s

Als sich Mia und Sebastian das letzte Mal treffen, kommen bei einem Lied, das Sebastian gerade spielt, Erinnerungen auf. Darin ist Mia mit Sebastian durch anscheinend bunt gekleidete Menschengruppen unterwegs. Allerdings trägt jeder aus der Gruppe nur eine Farbe. Mia und Sebastian küssen sich. Sie haben sich also unter vielen verschiedenen Menschen gefunden. Doch dann kommt eine Frau mit einem gelben Oberteil und möchte Mia mitnehmen. Nach kurzem Blick zu Sebastian entscheidet sich Mia für ihre Liebe zur Kreativität und geht mit.

Immer noch der Meinung, dass es nicht sein kann?

Selbst in der Musik, zu La La Land wurde das Thema immer wieder aufgegriffen. Das Lied „someone on the crowd“ wurde oben schon angesprochen. Und in dem Song „the fools who dreams“ (dt. die träumenden Narren) kommt die Textpassage „A bit of madness is key, to give us new colors to see. Who knows where it will lead us? And that’s why they need us” (dt. „Ein bisschen Wahnsinn ist der Schlüssel, damit wir neue Farben sehen können. Wer weiß, wohin es uns führt? Und deshalb brauchen sie uns”) vor. Aber wer ist „uns“? Dazu stellt sich die Frage, ob es neben den viele kleine einzelne Szenen, die hier aufgelistet wurden, noch einen größeren „farblichen“ Zusammenhang in dem Film gibt?

Und genau den gibt es unserer Meinung nach:

Mia, gepackt von Selbstzweifel (grüne Anpassung) und mechanischer Darstellung (blaue Anpassung), findet erst zum Schluss zu ihrer Liebe, der Kunst (gelbe Basis). Sebastian, der Träumer (gelbe Basis), wird zwischenzeitlich vernünftig (blaue Anpassung), da er das Gefühl hat anders sein (und sein Traum aufgeben) zu müssen und sich dahingehend anpasst (grüne Anpassung). Er kommt erst zum Schluss wieder zu seinem Traum zurück (gelbe Basis).

Uns… Das sind also alle die Menschen, die nach ihrem Gefühl handeln. Die sich von ihrer Intuition leiten lassen. Die sich inspirieren lassen.

Letztendlich kann der Film als eine Aufforderung verstanden werden, danach zu suchen, wer man wirklich ist und wer man sein möchte. Sich darin zu ent-wickeln. Und als Wichtigstes zu SICH zurück zukommen und dafür zu sorgen, dass die Anpassung nicht unser Leben bestimmt!

Seid also ein wenig mehr gelb!

In diesem Sinn, here’s to the ones who dream!

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