Vor einiger Zeit habe ich mich entschlossen, ein einwöchiges Seminar in Salzburg zu besuchen. Und da wir liebe Freunde in Salzburg haben, kam mir die Idee, dass sie mich vielleicht für diese Zeit beherbergen könnten.

Kurzer Hand nahm ich also das Telefon in die Hand und habe in Salzburg angerufen. Und während ich mit ein bisschen Smalltalk versucht habe meine Nervosität zu überspielen, überlegte ich mir krampfhaft, wie ich denn jetzt eigentlich fragen könnte. Also erschien es mir am besten einfach von dem Kurs zu erzählen. Ich kam bis zu dem Satz „Es gibt ein Kurs über mehrere Tage in Salzburg, den ich gerne…“ als ich mit einem enthusiastischen „Voll Super! Wann kommst Du?“ unterbrochen wurde. Ich war zwar sehr überrascht in dem Moment und musste mich erst einmal sammeln (denn mit dieser schnellen, spontanen Antwort hatte ich nicht gerechnet) aber ich war auch sehr erleichtert und die Atmosphäre (zumindest von meiner Seite) war gleich viel entspannter.

Dabei ist mir eine ganz ähnliche Situation vor ein paar Jahren eingefallen. Allerdings war meine spontane Antwort (nach eine für die andere Person viel zu langen Pause): „Ähhh, ja.“ Leider fühlte sich mein Beinahe-Gast mit meiner Antwort nicht willkommen. Alles erklären half nicht. Ich fragte mich lange, warum ich nicht einfach so spontan und herzlich sein konnte, wie man es von mir verlangte. Und selbst wenn ich es mir vornahm, kam es anders. Das bin einfach nicht ich. Weil die Gesellschaft aber festgelegt hat, wie Einladungen funktionieren, musste das Problem bei mir liegen.

Zum Glück habe ich herausgefunden: Das ist gar nicht so! Ich bin genau richtig wie ich bin. Und jeder andere auch! Jeder hat seine Gründe für sein Verhalten. Während meiner „langen“ Pause hat mein Kopf schon auf Hochtouren gearbeitet und Pläne gemacht, wie ich die Zimmer umräumen könnte, dass jeder einen guten Platz zum Schlafen hat.

Und da ist sie wieder. Die  Verschiedenartigkeit der Menschen. Und unsere Sichtweise darauf. Jemand, der sich in mich hineinversetzen könnte, würde durchaus sagen, dass die Einladung herzlich gemeint war. Jemand der mich gut kennt, auch. Einige würden sicher denken „ok, das war vielleicht nicht sein Tag“ und ganz sicher gibt es einige, die der Meinung sind, das nicht gerade einladend gemeint war.

Unser Handeln wird also ständig bewertet, ohne genaue Hintergründe zu kennen.

Manchmal liegen wir richtig, aber meistens werten wir einfach mal ab, ohne genaueres Hinsehen. Das kann Menschen ganz schön verletzen. Mein Beinahe-Gast war verletzt und ich war es auch.

Wir haben es nicht geschafft uns zu verbinden. Heute habe ich meine Anpassungsfähigkeit ausgebaut und bin in der Lage (bei wiederkehrenden Situationen) zurechtgelegte Strategien (Muster) anzuwenden, um so eine Situation anders zu gestalten und nicht einfach dem Zufall zu überlassen. So ist meine Einladung nicht nur herzlich gemeint, sondern sie kommt auch so an.

Natürlich wäre es auch für mich schön, wenn mein Gegenüber mich für meine Eigenschaften sehen und die Erwartungen entsprechend anpassen könnte.

Enttäuschung resultiert aus dem Unterschied zwischen Erwartung und Realität. Lasst uns diesen Unterschied mit Wissen füllen.

 

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