1/11 Einführung

Wann hast Du Dich das letzte Mal über die Angewohnheiten Deines Partners oder jemand anderen geärgert? Wieso eigentlich? Weil Du es anders machen würdest? Schau Dir Deinen Partner an. Dann Dich. Und Du wirst feststellen, dass ihr in vielen Dingen sehr unterschiedlich seid. Das ist bei den allermeisten Paaren (oder Interaktionen mit anderen) der Fall. Zufall? Selbstverständlich nicht. „Gegensätze ziehen sich an“ ist ein weiter verbreiteter Spruch dazu. Und gar nicht so arg daneben. Denn die andere Seite, quasi das gegensätzliche Naturell, hat etwas Unbekanntes – fast schon Magisches – an sich.

Deswegen bist Du von genau diesen Menschen so fasziniert. Zieht der Alltag irgendwann ein, beginnen diese gegensätzlichen Gewohnheiten mit der Zeit mehr und mehr zu nerven und du verstehst nicht mehr was Dich einst so magisch zu dieser Person hingezogen hat. Wieso ist das so? Hat er sich verändert oder Du? Oder hatten wir damals eine andere Wahrnehmung von einander?

Oder beides?

Über die Zeit gibt es für Dich und Deinen Partner 3 Möglichkeiten:

  • Gleich der erste Punkt ist keine wirkliche Möglichkeit. Er ist nur der Vollständigkeit halber aufgelistet: Ihr könnt Euch trennen. Dazu kommt, dass Du Dir einen neuen Partner einen aussuchen wirst, der ähnliche Gewohnheiten hat. Damit wird das eigentliche Problem nur in die Zukunft und auf eine andere Person verschoben. Aber nicht gelöst.
  • Ihr könnt die kommenden Jahre mit Kämpfen verbringen. Kämpfen, um Deinen und seinen Platz in der Beziehung. Du kannst jahrelang versuchen Deinen Partner zu verändern. Obwohl Du genau weißt, dass nur er sich selbst ändern kann. Es wird anstrengend und Kräfte zehrend. Und möchtest Du wirklich eine Person bekämpfen, die Du liebst?
  • Ihr könnt die Zeit aushalten. „So lange ist es ja auch nicht mehr“. Du wirst warten. Aber auf was eigentlich? Du hast Dich ja eh schon damit abgefunden, dass es sich nicht mehr groß ändert. Was aber passieren wird ist, dass Ihr Euch emotional immer weiter voneinander entfernen werdet.
  • Oder Du kannst versuchen Dein Partner zu verstehen. Ihn in seiner Welt mit seinen Bedürfnissen, Gedankengängen, Verhalten und Gefühlen zu sehen, wie er wirklich ist. Das Verbale und Non-Verbale Deines Partners so einordnen, wie Dein Gegenüber es meint. Dann wird ganz schnell aus dem Gegenüber ein Mitüber. Antoine de SaintExupéry hat dies Miteinander sehr schön in Worte gefasst: „Liebe besteht nicht darin, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in die gleiche Richtung“ Wenn Du demnach Dein Mitüber anschaust, kannst Du lediglich Dein Verhalten aus Deiner Wahrnehmung sehen. Alles was danach kommt, ist Deine Interpretation und Bewertung. Was Du aber nicht sehen kannst, ist die Welt aus seinen Augen. Dazu müsstest Du in die gleiche Richtung schauen wie Dein Mitüber. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Partnerschaft.

Jetzt ist das alles schön und gut. Klar wäre es so toll, wenn Du immer wissen könntest, was Dein Mitüber denkt und fühlt. Wo er es ja oft genug selbst nicht weiß oder gar in Worte fassen kann. Wenn es doch so einfach wäre. Also alles graue Theorie? Klingt zu schön um wahr zu sein, oder? Geht gar nicht, schließlich sind alle Menschen unterschiedlich?

Ja und Nein. Ja, Menschen sind unterschiedlich. Und ja, jeder Mensch hat seine ganz persönliche Geschichte und Vergangenheit. Diese beeinflussen das Verhalten aber nur bedingt. Wir bedienen uns an einem etablierten Modell aus der Verhaltensforschung, das wir mit der unverzichtbaren „menschlichen“ Komponente angereichert haben. Damit ist es möglich, Dein Mitüber für das zu erkennen was er/sie ist. Fast noch wichtiger ist, dass Du die Chance hast, zu erkennen wer Du eigentlich bist. Was Dich ausmacht und wieso Du eventuell gerade in Themen feststeckst.

Komm mit uns auf Entdeckungstour und verstehe, wie einfach Beziehung sein kann. Erforsche, wieso so viel mehr hinter Verhalten steckt, als oft angenommen wird. Finde heraus, was in Dir steckt und an welcher Stelle Du Dein Potential ent-wickeln, also dich aus-wickeln kannst von all den Schichten, mit denen du dich über die Jahre eingewickelt hast.

Unsere Blogreihe zum Thema Beziehungen verstehen kannst Du in den kommenden Wochen in insgesamt 11 Artikel nachlesen. In der kommenden Woche schauen wir uns das erste Naturell (von insgesamt vier) näher an.