Die meisten Menschen mit denen ich mich unterhalte, sind der Meinung ein paar wenige Muster selbst bei sich erkannt zu haben. Alleine sich das bewusst zu werden, ist schon ein guter Anfang.

Beschäftigst Du Dich allerdings eine Zeit lang mit Deinen Mustern, wirst Du feststellen, wie viele nach und nach zum Vorschein kommen und Du fast auf der Hut sein musst, wenn Du sie alle erkennen willst. Hier ein kleiner Auszug aus einer riesigen Sammlung:

*ich kann das nicht * wieso immer ich * das war schon immer so * ich bin das nicht wert * das muss aber so sein * wenn Du das so machst, dann… * es gibt nur eine Lösung * es dürfen keine Fehler gemacht werden * ich bin an allem Schuld * …

Solche Muster werden im Laufe des Lebens von Bezugspersonen übernommen, ohne sie zu hinterfragen oder selbst etabliert und in das Unterbewusstsein eingespeichert.

Im Songtext der Band Gloria mit dem Sänger Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol heißt es dazu in dem Lied Geister:

„Du wirst wie die Geister,
Die dich jagen
Ihre viel zu schweren Taschen
Wirst du über die Felder tragen“

Viele Muster fühlen sich an wie Geister, die Dich jagen, die Du aber nicht loswirst, weil sie Dich nicht frei fühlen lassen. Die schweren Taschen sind übernommene Muster, die Dich belasten – und dennoch trägst Du sie. Denn Du weißt nicht, wie Du sie loswerden kannst. Aber wer sind sie denn eigentlich, diese Geister?

Es handelt sich um Menschen, die einen Einfluss auf Dich haben oder hatten und Die ihre Erwartungen an Dich weitergeben haben. In dem Augenblick, wenn Du Deine Muster wiederum an andere weitergibst (Eltern an Kinder, Lehrer an Schüler, etc.), wirst Du zu einem dieser Geister. Es scheint wie ein unendlicher Kreislauf, aus dem Du nicht herauskommst.

Diese Muster sind ein Teil deiner Konditionierung aus deiner Kindheit. Wir sprechen von der blauen konditionierten Anpassung.

Stell Dir vor, Du bist eher spontan, kreativ, sprunghaft und kommunikativ (gelbes Naturell), triffst Deine Entscheidungen aber über deinen Verstand (Pro und Kontra abwägen, Sicherheitsdenken, etc.) anstatt spontan aus deinem Bauch heraus. Dann ist genau dieses „verkopfte“ ein Beispiel von konditionierter blauer Anpassung. Dein Kopf mag Dir vielleicht sagen: „Alles gut, ich hab alles im Griff. Du bist in Sicherheit“, Dein darunterliegendes Wesen (gelb), das gerne fühlt und Neues entdecken möchte, aber nicht gefragt wird (je nach Grad der Anpassung) trauert in Stille und zieht sich noch weiter zurück.

(Hier kannst Du bei Bedarf nochmal in den Grundlagen lesen)

In diesem Augenblick, hast Du Dein eigenes gelbes Naturell verlassen und bist in der blauen Anpassung. Aus dem Bauchgefühl wird eine rationale Entscheidung. Wenn das einmal passiert, ist das nicht weiter schlimm. Auf Dauer führt das allerdings zu einer Grundunzufriedenheit, die viele Menschen in sich tragen und nicht so richtig wissen, wo sie herkommt.

Etwas anders sieht es aus, wenn Du von Deinem Naturell her sowieso schon blau bist. In dem Fall bist Du ein Mensch, der sich gerne auf Zahlen, Daten und Fakten bezieht. Deine Welt besteht aus Mustern und Du magst sie. Der Unterschied hier zu einem gelben Naturell ist, dass Du die eigenen Muster tatsächlich aus Deinem Inneren her brauchst. Eine Welt ohne Muster wäre für Dich nicht denkbar. Wenn Du jetzt allerdings durch die konditionierte Anpassung zusätzlich noch fremde Muster übernimmst (die nicht aus Deinem Inneren entspringen), engt Dich das ein. Du hältst Dich an der für Dich vorhersehbaren und sicheren Zukunft fest, und gleichzeitig lähmt Dich das. Muster beginnen zwanghaft zu werden. Und die ohnehin schon mäßig ausgeprägten Emotionen werden mit viel Logik überdeckt, bis eine Leere entsteht. „Ich fühle nichts“ ist oft das Ergebnis von starker konditionierter blauer Anpassung.

Menschen mit blauem Naturell sind vergangenheitsorientiert und können meist nur schwer mit Kritik in Bezug auf diese Muster umgehen. Sie haben das Gefühl, dass durch diese Kritik ihre gesamte Vergangenheit in Frage gestellt wird. (Klassische Sätze dafür: „Das war schon immer so, wieso soll es jetzt plötzlich schlecht sein.“ „Das haben wir schon immer so gemacht.“)

Menschen mit grünem Naturell sind zwar auch vergangenheitsorientiert, haben aber mit Kritik in Bezug auf Handlungsmuster kein großes Thema. Für sie ist die grüne Anpassung der größere Schmerzpunkt. Auf diese gehen wir in einem späteren Artikel ein.

Für die konditionierte blaue Anpassung gibt es 3 Möglichkeiten:

a.) Dein Naturell ist GELB, GRÜN oder ROT und Du passt Dich dauerhaft in Richtung BLAU an, bleibst aber in deiner Farbe.

b.) Dein Naturell ist GELB, GRÜN oder ROT und Du passt Dich dauerhaft so stark in Richtung BLAU an, dass Du Deine ursprüngliche Farbe verlässt.

c.) Dein Naturell ist bereits BLAU und dieses wird weiter verstärkt – also tieferes BLAU.

Bei a. merkst Du Deine Anpassung hin und wieder, vor allem in Stresssituationen, bleibst aber Deiner Farbe treu. Das heißt Du kannst zu einem großen Teil Dein Naturell leben, was Dich lebendig und frei fühlen lässt. Wirkliche unfreiwillige Muster scheinst Du nicht zu haben und kannst dadurch das Leben recht unbeschwert genießen.

b. ist die extreme Variante von a. Bei b. hast Du Dich bereits schon so weit angepasst, dass Du Dein Naturell verlassen hast und dauerhaft ein Dir fremdes Naturell angenommen. Du kommst eine bestimmte Zeit gut damit klar, bis irgendwann eine tiefe Unzufriedenheit sich breit macht. Dein Kopf übernimmt die Oberhand. Gefühle werden abgeschaltet und Du „funktionierst“ nur noch. Zugleich rechtfertigst Du Deine eigene Situation mit logischem Inhalt „so schlimm ist es ja doch nicht“, „hier weiß ich aber was ich habe“ oder „was soll ich denn sonst machen?“. Innerlich zerfrisst Dich die Situation.

In der Variante c. besteht Dein ganzes Leben aus Muster. Die, die Du brauchst und liebst und die, aus Deiner Anpassung heraus. Das macht Dein Leben zwar recht sicher und planbar, aber eben auch eintönig und farblos. Dein Leben baut sich auf Logik auf, worin Emotionen keinen Platz mehr haben.

Vor allem die beiden Varianten b. und c. sind häufiger verbreitet, als Du vielleicht vermutest. Was kannst Du also tun, um nicht schwere Taschen tragen zu müssen? Um nicht gejagt zu werden? Und um nicht selbst zu einem dieser Geister aus dem Lied zu werden?

Der erste Schritt um Muster loszulassen, ist also sich diesen bewusst zu werden und sie zu erkennen.

Oft gibt es die Aussage, dass Du das alles einfach nur anders machen musst. Raus aus Deinen Mustern kommen. Einfach aufhören damit. Schön und gut. Und wie? Und dann?

Problematisch macht das alles Dein Kopf. Denn der schaltet sich vor allem in stressigen Situationen dazwischen und schon bist Du wieder in Deinen Mustern, die Du so gerne loswerden wolltest. Du brauchst also ein Ziel. Raus aus den Mustern und zugleich rein in… Ja wohin eigentlich?

Rein in Dein Naturell! Das ist der einzige Ort, an dem Du wirklich bei Dir und wirklich dauerhaft glücklich sein kannst. Das ist Dein Ziel. Nur mit diesem Ziel, hast Du eine Chance anzukommen. Ein Radfahrer würde bei der Tour de France gar nicht erst mit fahren, wenn er nicht wüsste, wo das Ziel ist, denn die Chance anzukommen geht gegen Null. Und genauso ist es hier auch. Du brauchst ein klares Ziel. (Wenn Du Dir bei Deinem Naturell nicht sicher bist, trage Dich in unseren Newsletter ein oder schreibe mir eine Nachricht, dann bekommst Du eine Hilfe zur Farbenfindung zugesendet.)

Zudem ist eine Veränderung notwendig. Denn Muster zu verändern und dabei alles gleich lassen, wird schwierig. Daher Veränderung. Wie auch immer sie aussehen mag. Das können auch schon ganz kleine Dinge sein. Das kann im Bewusstsein bereits damit anfangen, dass Du glaubst, dass Veränderungen möglich sind. Denn es ist möglich. Und wertvoll. Ja, sogar sehr wichtig. So kommst Du wieder in Dein Naturell. Du holst Dir Dein Bauchgefühl zurück. Deine Liebe zu Dir. Dein Vertrauen zu Dir selbst. Du kannst wieder zu dem Menschen werden, der Du eigentlich hättest werden wollen.

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