Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als meine Frau vor ein paar Jahren eines Abends mit ernster Miene zu mir kam und mir von „unerzogenleben“ erzählte (so hieß Ruths Blog vor Der Kompass) und mich darüber informierte, dass WIR das nun auch so machen. Meine spontane Reaktion dazu war „Mach ruhig, wenn Du meinst, aber ich mache da nicht mit!“ Es folgte ein steiniger Entwicklungsprozess, der zu einer unglaublichen Verbesserung unserer Lebensqualität geführt und die Beziehung zu meinen Kindern, meiner Frau und vor allem zu mir Selbst sehr verändert hat. Meine neue Haltung hat sich bald auf vieles Weitere in meinem Umkreis ausgeweitet. Ich habe die Menschen um mich herum auf einmal in einem neuen Licht gesehen, die Natur, die Tiere, die Sache mit dem Umweltschutz. Unser Leben hat sich seitdem komplett verändert. Während mir noch vor ein paar Jahren die kleinsten Veränderungen Schwierigkeiten bereiteten, habe ich nun nach meiner bisherigen Entwicklung Lust auf Abenteuer und Veränderung. Denn alles verändert sich konstant. Die Welt, die Natur, die Menschen, ihre Einstellungen und Werte, die Technologie, die Forschung… warum hatte ich aber solche Schwierigkeiten damit?

Sicher kennt der eine oder andere so eine Situation, oder hat sie sogar selbst erlebt;-)

Warum fällt es vielen Menschen (bei diesem Thema meist den Männern) so schwer offen für neue Themen zu sein bzw. alte Muster los zu lassen. Wie immer möchte ich auch hier darauf verweisen, dass es zwar kein geschlechtsspezifisches Thema ist, aber, in unserer Gesellschaft tendenziell eher die Jungen blau konditioniert/angepasst werden. Hier kannst Du Dir den Hintergrund der Farben noch einmal anschauen.

Wer von Natur aus eher blau geprägt ist, orientiert sich gerne an Zahlen, Daten, Fakten und hat einen ruhigeren, nüchternen Blick. Das ganze Leben ist durch Logik geprägt und in Mustern aufgebaut und Emotionen spielen eher eine geringe Rolle. Sie sind eher wenig entscheidungsfreudig/spontan und reden nicht besonders viel. Zudem leben diese Personen gedanklich eher in der Vergangenheit.

Durch die konditionierte Anpassung wurden diesem jungen Menschen allerdings Muster aufs Auge gedrückt bzw. vorhandene Muster verstärkt. Das bedeutet, dass diese Muster über den Zeitraum der Kindheit durch Eltern, Schule und das gesamte Umfeld unfreiwillig aufgenommen wurden. Klingt komplex?  An die folgenden Punkte wird dies verdeutlicht:

  1. In der Kindheit bekommen junge Menschen oft Sätze zu hören wie „ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „stell Dich nicht so an“ oder „ist doch gar nichts passiert“. Dadurch entsteht immer öfter der Eindruck, dass Emotionen unerwünscht sind und ein logisches Verhalten lieber gesehen wird (linke Gehirnhälfte wird stärker ausgeprägt).
  2. Kinder sind sehr lösungsorientiert. Dieses Potential wird allerdings spätestens durch die Schule auf ein sehr geringes Maß reduziert, da Schule eher „die eine richtige Lösung“ vorlebt und zwar genau die, die im Buch steht. Diese ist logisch aufgebaut und wird genau so (auswendig)gelernt (linke Gehirnhälfte wird stärker ausgeprägt).

Das führt dazu, dass dieses Kind über Jahre unfreiwillig viele (logische) Muster übernimmt, die eigentlich gar nicht seine sind. Und die auch nicht zu ihm/ihr gehören. Jemand mit einer natürlichen Blauausprägung wird dadurch also in seinen blauen Charaktereigenschaften zusätzlich/unnatürlich verstärkt.

 Mit diesen so lange bestehenden und tief verankerten Muster soll sich jemand also auf einmal ändern und spontan in eine andere Richtung laufen? Also von Erziehung (alte Muster, Glaubenssätze, Sicherheit, Plan, etc.) auf einmal unerzogen leben (Gefühle zeigen, Bedürfnisse erkennen, sich verbinden, lösungsorientiert handeln, spontan auf Situationen reagieren und im Hier und Jetzt leben)? What? Ist das nicht etwas viel verlangt, wenn man nicht einmal weiß wo man steht und wieso es einem so schwer fällt, Neues in sein Leben zu intergieren? Möchte man hier nicht erst mal wahrgenommen werden mit seinem „Problem“ anstatt Vorwürfe vom Partner/ von der Partnerin zu bekommen, man gibt sich keine Mühe?

 Ist Dein Partner/ Deine Partnerin also blau bzw. blau angepasst, können Dir diese Tipps helfen Dich mit ihm/ihr besser zu verbinden:

1.       Zahlen, Fakten, Daten

 

Du malst gerne ein Bild mit Deinen Worten und schmückst Deine Geschichte mit vielen Beispielen aus? Das ist für blaue ausgeprägte Menschen viel zu viel geredet. Sie mögen Informationen als kurze Sätze verpackt und belege diese am Besten mit Zahlen, Daten, Fakten und Statistiken.
2.       Zeit zum Überlegen Ihr lest gemeinsam einen Artikel und Du willst sofort darüber diskutieren? Blau ausgeprägte Menschen brauchen Zeit zum Nachdenken über das Gelesene und spontan dazu aufgefordert zu werden darüber zu sprechen, setzt sie unter Druck.

3.       Raum

 

Gib Deinem Partner die Möglichkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dazu gehören auch kritische Fragen. Vermutlich hast Du Dich mit dem Thema schon eine Weile befasst. Für ihn ist das neu. Gib ihm den nötigen Raum dazu und lass ihn/sie das Thema kritisch hinterfragen.
4.       Glaubenssätze Glaubenssätze geben ihm/ihr Sicherheit und sind wie die Muster tief verankert und bilden die Grundlage seiner/ihrer Realität. Werden diese in Frage gestellt, wird damit auch die Vergangenheit in Frage gestellt. Geht diesen Glaubenssätzen gemeinsam auf den Grund und schaut genau hin, warum diese so eine große Rolle spielen.
5.       Muster, Muster, Muster Insbesonders blau angepasste Menschen sind „gefangen“ in ihren Mustern. Erwarte nicht, dass diese über Nacht alle aufgelöst werden. Diese Muster müssen erst einmal erkannt werden, um sie ändern zu können.

 

Hier sprechen wir nur mal von dem blauen Charaktertyp, der blau angepasst wurde. Aber auch alle anderen Charaktertypen haben ihre Themen mit Neuem. Sie starten nur eben auf einer anderen Ebene.

 Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob Du so Deinen Partner verändern kannst? Sicher nicht. Verändern kann nur er sich selbst. Dabei geht es ja auch gar nicht darum ein Ziel zu verfolgen und Erwartungen an Dein Gegenüber zu haben, sondern vielmehr Deine Haltung zu leben und andere dadurch zu inspirieren. Möchtest du aber mit Deinen Themen gesehen werden, werfe erst mal einen Blick auf Dein Gegenüber und schau dir die Themen aus seiner Brille an. Diese Wirklichkeit und Wahrnehmung von Dingen unterscheidet sich von Deiner. Ohne Wertung. Einfach nur anders.

 Für mich geht der Weg natürlich mit vielen Schlangenlinien weiter, aber mit jedem gegangen Schritt wird es leichter für mich. Was mit einem Thema angefangen hat, hat eine ganze Reihe weiterer Entwicklungen in mir angestoßen, wofür ich unendlich dankbar bin (auch für die vielen steinigen Wege und hohe Berge, die es zu erklimmen gab). Für diesen Stupser danke ich von Herzen meiner Frau und Dir, Ruth für Deine absolut wertvolle Arbeit!

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